In Gedanken Kolumne personal

Von Jemandem, der vergaß ein guter Freund zu sein



Die Geschichte beginnt ganz klassisch mit einem Kennenlernen. Sie trafen sich an einem Morgen im September und waren sich vorerst suspekt. Er hielt sie für einen Menschen, der Oberflächlichkeit und Tratschtante in sich vereinte, sie hielt ihn für einen Klassenkasper, der mit seiner provozierenden Art eine Unsicherheit verstecken wollte, die sie anhand der feuerroten Flecken an seinem Hals trotzdem sehen konnte.

Um es auf den Punkt zu bringen, waren beide mehr als abgeneigt voneinander und auf den ersten Blick so unterschiedlich, dass es niemanden verwunderte, warum sie keine Freunde wurden.
Während sie nur darauf bedacht war, dass ihre Haare und die weiße Bluse von früh bis spät so saßen, wie sie es sich vorstellte, war es sein Ziel so viel Ungehorsam und Unangepasstheit an den Tag zu legen, wie es alle anderen möglichst stark verärgerte.
Bis auf die vielen Diskussionen, die sie führten und sich damit regelmäßig gegenseitig zur Weißglut brachten, mieden sie den zwischenmenschlichen Kontakt.

Doch wie es nun so oft ist, führte die Einsamkeit und das Unverständnis gegenüber den anderen in ihrem unmittelbaren Umfeld sie irgendwann zusammen. Gelegentliche tiefgreifende Gespräche führten zu täglichen gemeinsamen Mittagspausen und entwickelten sich irgendwann zu einer tiefen Freundschaft. Eine Freundschaft, die irgendwie niemand so wirklich verstand und die außerhalb der klassischen Statussymbole einer Freundschaft funktionierte.
Sie mussten sich nicht jeden Tag durch Komplimente und sinnlose Unternehmungen beweisen, dass sie einander wichtig waren. Sie wussten es instinktiv. Sie wussten, dass der andere einen verstand, wie es eben kein anderer vermochte.

Die Zeit lief so vor sich hin, selbstverständlich und unaufhaltsam und ihre Freundschaft wurde zu einem Bestandteil ihres Lebens der sich so stark etablierte, dass der jeweils andere irgendwann einfach dazu gehörte.
Und dann traf er sie. Das wunderschöne und herrschsüchtige russische Model, was ihn irgendwie beschlagnahmte. Und plötzlich war ihre Freundschaft nicht mehr das selbe. Sie merkte, wie sie in seinem Leben an Priorität verlor. Sie verstand es. So veränderte Liebe einen Menschen eben. Die Person mit der man das Bett teilt, spielt bei den meisten eben eine größere Rolle, als die, mit der man seine Geheimnisse teilt.

Was sie nicht verstand, war etwas anderes. Sie verstand nicht, wie er sich bewusst dafür entscheiden konnte, sie fallen zu lassen, damit die Schönheit an seiner Seite nicht mehr eifersüchtig auf die Bindung zwischen ihnen sein musste.
Sie verstand nicht, wie er sich zu genau diesem Menschen entwickelte, die ihnen beiden immer zutiefst suspekt gewesen waren.
Sie verstand nicht, warum ihre Freundschaft an einer Person zu zerbrechen drohte, die ihn offensichtlich nicht so akzeptierte, wie er eben war.

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In Gedanken Gesellschaft Kolumne

Einfach mal abschalten



Es gibt sie tatsächlich noch, diese Leute, die ohne mobiles Internet auskommen.
Die einfach aus dem Haus gehen und eben nicht mehr permanent über Facebook und WhatsApp erreichbar sind.
Ich gehöre nicht dazu. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die morgens in der Straßenbahn sitzt und sich durch die Bilderflut der letzten Nacht auf Instagram kämpft.

Ich hatte einen Moment der Erleuchtung, wenn man es so nennen darf. Im Sommer hatte es mich für insgesamt 17 Tage an die Ostsee verschlagen. Auf einem Campingplatz mitten im Wald, direkt an der polnischen Grenze, verbrachte ich zwei Wochen ohne ein einziges Mal auf Facebook zu surfen. Ohne ein Bild bei Instagram hochzuladen.

Letzte Woche bin ich auf etwas aufmerksam geworden, was mich zu diesem Beitrag inspiriert hat - Slow Media.
Ähnlich wie Slow Food sollen Medien nachhaltiger und langsamer konsumiert werden. Der Umgang mit dem Internet sollte bewusster passieren und ohne übermäßigen Werbedruck funktionieren.

Denn durch all das sinnlose Posten überfluten wir uns alle gegenseitig mit Informationen, die man einfach nicht braucht. Ich muss nicht wissen, wer wann welchen Film im Kino gesehen hat oder wer gerade mit wem besonders gut befreundet ist. Muss man so etwas mit einem Facebook-Post sagen?
Bei einigen reicht der Einfluss der sozialen Medien schon so weit, dass Instagram-Follower und Likes eine Person definieren.
Wie gläsern wir durch all das wirklich sind, ist uns irgendwie nicht bewusst.

Wie sehr die eigene Persönlichkeit im Internet tatsächlich verankert und gespeichert ist, wird einem erst bewusst, wenn man mit Schrecken feststellt, dass Online-Werbung mittlerweile passgenau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Und Dank Sponsoring und Produktplatzierungen bemerken wir es zum Teil nicht einmal mehr, wie sehr uns die Onlinewelt mit Werbung zuschüttet.

Ich finde es erschreckend, wie wenig wir mittlerweile auf unsere Privatsphäre und den Datenschutz achten.
Ich finde es erschreckend, dass ich manchmal selbst schon anfange an mir zu zweifeln, wenn ein neues Selfie weniger Likes bekommt, als das Vorherige.
Und ich finde es erschreckend, dass ich bis zu diesem Augenblick noch nie wirklich darüber nachgedacht habe.
Trotzdem, oder genau deswegen, habe ich angefangen mein Onlineverhalten zu reflektieren.

Und ja, irgendwie ist es ironisch, dass ich diesen Beitrag online hoch lade und auf Facebook teile. Aber vielleicht bringt es den einen oder anderen von euch dazu nachzudenken, während das hier gerade über euren Bildschirm flackert.

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In Gedanken Gesellschaft Kolumne

Wie jetzt, du isst kein Fleisch?



Es gibt sie heute ja wie Sand am Meer. Diese Leute, die dem Fleisch-Essen abgeschworen haben und ein bisschen selbstgefällig durch die Weltgeschichte spazieren. Die mit hochgezogenen Augenbrauen auf andere Teller schielen, wenn dort ein Steak liegt und die sich irgendwie für einen besseren und aufgeklärteren Menschen halten.

Ich ernähre mich jetzt seit ungefähr einem Jahr vegetarisch, davon mehrere Monate komplett vegan. Ja, ich halte diese Form der Ernährung für die Bessere, vielleicht sogar für die Beste. Aber ich maße es mir nicht an, deswegen über andere zu urteilen.
Was es mir dann noch unverständlicher macht, warum man auf Grund meiner Ernährungsweise über mich urteilt.

Ich kann es absolut verstehen, wieso man Fleisch ist. Ich habe es immerhin selbst für 20 Jahre meines Lebens getan. Aus diesem Grund schaue ich Menschen, die Fleisch essen nicht angeekelt auf den Teller, wenn dort ein Schnitzel liegt. Aus diesem Grund halte ich mich einfach zurück, wenn ich ohne Verständnis angeschaut werde, wenn ich das Grillwürstchen im Sommer ablehne. Aus diesem Grund schweige ich mit einem eisigen Grinsen, wenn man mir erklärt, dass mir unendlich viele lebensnotwendige Nährstoffe fehlen, wenn ich weitestgehend auf tierische Produkte verzichte.

Es ist kein Einzelfall, dass ich mir spitze Bemerkungen darüber anhören muss, dass ich mich vegetarisch ernähre. Ich musste Sätze wie: "Dann kannst du ja nur noch Karnickelfutter essen.","Ich brauche mein Steak in der Woche aber. Darauf könnte ich nie im Leben verzichten." oder "Schmeckt das?" anhören und das schon viel zu oft.
Ich will eure Meinung dazu nicht hören. Es ist mir egal, dass ihr euer Kilo Fleisch in der Woche braucht. Es ist mir egal, dass ihr denkt, ich ernähre mich mangelhaft und unausgewogen. Es ist mir egal, dass ihr euch nicht vegetarisch ernähren wollt und ihr Tofu eklig findet.

Bitte, lasst mich einfach mein Kaninchenfutter essen. Meine schlimmen Mangelerscheinungen (die tatsächlich nur aus mangelndem Antibiotika in meinem Blut bestehen) gehen euch wirklich nichts an. Bitte versteht, dass ich keine Tiere essen will, dass ich diese Industrie nicht unterstützen will. Bitte versteht, dass ich nicht mehr so ignorant durch die Welt laufen will, dass ich nicht mehr so tun will, als würde die Salami im Supermarkt wachsen.
Und wenn ich noch einmal höre, dass Pflanzen doch auch Gefühle haben, dann kann ich für nichts mehr garantieren.
Dieser Satz ist einfach nur unnötig.

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